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Aktualisiert: vor 20 Stunden 19 Minuten

Zu Hause ankommen

Fr, 03/17/2017 - 13:59
Diesen Artikel, aus der Serie "Hinterstoder Freiwillig" der Journalistin Marlis Stubenvoll hat Julia Körber von der Gemeinde Hinterstoder zur Verfügung gestellt.
Marlis Stubenvoll ist Journalistin und studiert nach Studienaufenthalten in Finland und Dänemark zur Zeit im Master "Journalism, Media and Globalisation" in Amsterdam. In den Ferien zieht es sie immer wieder zurück in ihren Heimatort Hinterstoder. Die Artikelserie  "Hinterstoder Freiwillig" aus der dieser Artikel stammt, entstand 2016 und wurde finanziert aus den Mitteln des Zukunftentwicklungs - Prozesses Agenda 21 des Landes Oberösterreich. 
Zu Hause ankommen: Afghanische Flüchtlinge in Hinterstoder: Heute steht der Schuh im Mittelpunkt. Die Pensionistin Eveline Velek, der Viertklässler Farzin und seine Mutter Razia Sharifi fahren im Auto die kurvige Straße nach Windischgarsten zu einem Termin beim Orthopädie-Schuhtechniker. Während Eveline lebhaft erzählt, sitzt der Junge aufmerksam am Rücksitz. Er versteht Deutsch, spricht es aber nur im Flüsterton und mit einem schüchternen Lächeln. Aber als das Gespräch auf Hunde fällt, blitzen seine Augen aus dem runden Lausbubengesicht.
„Ihr habt das gute Wetter mitgebracht“, scherzt der Schuhtechniker in der Praxis, bevor er die blauen Einlagen hervorzieht. Tatsächlich ist heute der erste warme Sommertag. Die Region präsentiert sich ganz anders als am 15. Dezember, als Farzin, sein Bruder Fardin und seine Eltern das erste Mal Fuß in ihre Flüchtlingsunterkunft in Hinterstoder setzten. Es war Nacht und die Temperaturanzeige stand auf minus 15°C. Nur in Ballerinas und ohne Strümpfe war seine Mutter angekommen. Die gleichen Schuhe trägt sie auch heute.
Zwölf Flüchtlinge leben momentan in der Unterkunft. Eveline Velek ist ihre Nachbarin, aber sie ist noch viel mehr. Die Hausbesitzer, ihre Freunde, baten sie um den Gefallen hie und da nach dem Haus und seinen neuen Bewohnern zu sehen. „Kümmer dich ein bissl, haben sie gesagt – und aus dem bissl Kümmern ist dann viel Kümmern geworden“, sagt Velek und schickt ein herzliches Lachen nach. Die ehemalige Finanzbeamtin aus Niederösterreich sieht mehrmals die Woche nach dem Rechten, hilft beim Einkauf oder macht wichtige Fahrten. Damit unterstützt sie ehrenamtlich die Arbeit der Caritas.
„Wussten Sie, dass unsere Asylwerber Eveline auch ‚Eveline Mama’ nennen?“, erzählt Ursula Postlmayr von der Caritas, die sich beruflich um die meisten organisatorischen und bürokratischen Belange der Flüchtlinge kümmert. Aber Velek ist nicht allein – zufrieden erwähnt Postlmayr die vielen helfenden Hände in Hinterstoder. Einige Stoderer halten einen Sprachkurs, andere treiben wichtige Gegenstände auf, erledigen Fahrten oder sind einfach da, um die leere Zeit des Wartens zu verkürzen. Manchmal kommt auch eine Nachbarin vorbei und bringt selbstgekochte Marmelade. Heute genügt ein Anruf von Velek an Paula Lang vom Sozialen Hilfsdienst, um passende Schuhe zu den Einlagen zu besorgen.
Das Geben geht aber in beide Richtungen. Wir kommen über die Schotterstraße zurück zum Haus. Eveline zeigt auf die Schlaglöcher, welche die Asylwerber ausgebessert haben. Auch beim Skiweltcup übernahmen sie Aufgaben: Sie verlegten Böden oder sammelten Müll ein. Vieles, das in der Kneipp-Anlage blüht, wird auch von ihren Händen gepflegt. Und bei zwei Festen präsentierten sie schon den Stoderern – nicht ohne Stolz und mit Erfolg – die afghanische Küche auf reich beladenen Tischen.
Nach dem erfolgreichen Ausflug nach Windischgarsten sitzen wir noch in einer Runde zusammen. Wir befinden uns im angenehm kühlen Wohnzimmer. Der Kachelofen bleibt kalt, Schwarztee und Gebäck stehen für uns Gäste am Tisch. Farzins Vater rückt draußen die Tomatenstauden in die Sonne – ein Geschenk von Frau Eveline Mucha, die auch regelmäßig im Haus zu Besuch ist. Eveline Mama plaudert entspannt. An den Wänden kleben Zettel, die Alltagsgegenstände beschriften. Lampe. Kachelofen. Neben einem Lebkuchen-Anhänger: Herz.
Das Haus strahlt eine Wärme aus, die mit den Bewohnern und Nachbarn gleich viel zu tun hat. Wenn es eine Überschrift hätte, wie all die Gegenstände, dann würde hier stehen: Gastfreundschaft.


Eveline Velek hieß vom ersten Tag an die Flüchtlingsfamilien
 in Hinterstoder als neue Nachbarn Willkommen.


Afghanischer Abend bei Monika und Kurt Aufner im Prielergut

Die Köchinnen der wunderbaren Afghanischen Speisen mit Monika Aufner

Laus um Laus

Fr, 03/10/2017 - 14:09
Erinnerungen einer Volksschülerin aus den 1930er Jahren

"Als ich in die Volksschule Hinterstoder ging, das war in den 1930er Jahren, gab es außer Seife für uns keine Hygieneartikel.Unsere ständigen Begleiter waren die Kopfläuse. Meine Nachbarin hatte dicke, flachsblonde Zöpfe, die bis zur Taille reichten. Eines Tages haben wir etwas geschrieben und es war mucksmäuschenstill in der Klasse. Plötzlich flog etwas auf das Heft meiner Nachbarin. Auf das Papier klatschte eine dicke, fette Laus. Die langen Zöpfe, die uns Mädchen bis zum Popo hingen waren für Läuse ein ideales Quartier. Damals gab es für Mädchen noch keine kurzen Haare. Die Bubikopffrisur kam erst in den 1950er Jahren zu uns.Vor mir saß die Gusti, bei der auch die Läuse auf und ab krabbelten. Das schreckte schreckte mich sehr, weil ich auch fürchtete Läuse zu bekommen.Ich war in der Schule sehr gut und deshalb war ich für die Buben bei den Lehrern ein "Gutsteherl" (Liebling des Lehrers). Ich bin von den Lehrern oft gelobt worden.Aber das zahlten mir die Buben heim. In der Pause sagte einer zu mir:" Du bei dir steigt eine Laus". Ich schämte mich zu Tode und versprach ihm, wenn er mich nicht "verschiergerlt" (verrät) mein Messer zu schenken. Das Messer war etwas Besonderes. Der Griff war aus einer Rehpfote gemacht.
Nach ungefähr einer Woche fiel meiner Mutter auf, dass ich mich dauernd am Kopf kratzte. Beim Kopf waschen sah sie, dass ich vollkommen verlaust war. Am Abend kämmte sie mit einem Staubkamm meine Haare über einem weißen Handtuch aus. Da sah man erst wie es vor lauter Läusen wimmelte. Nach der Schule setzte sich Großmutter auf einen Schemel (Sessel ohne Lehne) vor das Haus und ich legte meinen Kopf auf ihre Knie. Dann zerdrückte sie Laus um Laus, jede die sie erwischte mit ihren Fingernägeln. Wenn ich daran denke höre ich heute noch das Knacken. Zuerst wurden meine Haare mit Essig eingerieben und weil das nicht viel nützte nahm Großmutter dann auch noch Petroleum zur Behandlung. Am nächsten Tag mußte ich mit einem Turban in die Schule gehen, weil das Petroleum 24 Stunden am Kopf einwirken musste. Meine Mutter untersuchte darauf täglich meine Haare. Gott sei Dank bin ich die "Laustragödie" wieder los geworden"
Behandlung gegen Läuse im Mittelalter
Kopflaus Wikipedia Foto: Gilles San Martin
Läusekamm.    

Zwei Frauen, keine halben Sachen

Fr, 03/03/2017 - 11:18
Diesen Artikel, aus der Serie "Hinterstoder Freiwillig" der Journalistin Marlis Stubenvoll hat Julia Körber von der Gemeinde Hinterstoder zur Verfügung gestellt.
Marlis Stubenvoll ist Journalistin und studiert nach Studienaufenthalten in Finland und Dänemark zur Zeit im Master "Journalism, Media and Globalisation" in Amsterdam. In den Ferien zieht es sie immer wieder in ihren Heimatort Hinterstoder. Die Artikelserie  "Hinterstoder Freiwillig" aus der dieser Artikel stammt entstand 2016 und wurde finanziert aus den Mitteln des Zukunftentwicklungs - Prozesses Agenda 21 des Landes Oberösterreich. 

Zwei Frauen, keine halben Sachen  Nicht immer ist Geld der Lohn der Arbeit. Paula Lang und Ilse Fruhmann wissen das als Haudegen des Ehrenamts nur zu gut.
In Fruhmanns Fall blühen die Früchte ihrer Mühen in der Kneippanlage – der kalte Wasserstrom und der Kräutergarten entspringen ihrer Initiative für einen gesünderen Ort.  Der Platz zur Kaltwasserkur nach dem alten Rezept des Pfarrers Sebastian Kneipp schöpft aus ihren Ideen und Handgriffen im Garten.
Paula Langs unermüdlicher Einsatz passiert verdeckter. In Lagerräumen sortiert sie einen riesigen Fundus an Flohmarktware. Daneben leistet sie mit Besuchsdiensten im Ort, im Krankenhaus oder im Altenheim jenen Gesellschaft, die nur selten ein bekanntes Gesicht sehen. Nur Ende Juli kommt beim Sozial-Flohmarkt wortwörtlich die ganze Ladung ihrer Arbeit zum Vorschein.
Es ist drei Uhr nachmittags und wir sitzen auf hölzernen Bänken am Kneipp-Platz. Über das Rauschen der Steyr hinweg unterhalten sich die beiden Stoderinnen mit mir. Sie erzählen, was sie zu einer Arbeit bewegt, die in Stunden kaum messbar ist.
Danke, dass Ihr euch Zeit genommen habt. Bevor ihr selbst über eure Arbeit sprecht, habe ich noch eine andere Frage an euch. Wie würdet ihr den Einsatz der jeweils Anderen im Ort beschreiben?
Paula: Ilse verbringt ihre Zeit hier am Kneipp-Platz. Das sieht man auch. Sie managt das alles. Dabei ist es schwierig Leute zu finden, die sich ein ganzes Jahr um solche freiwillige Arbeiten annehmen. Das ist bei mir und bei ihr wahrscheinlich dasselbe.
Ilse: Kein Mensch kann abschätzen, wieviel Arbeit sich Paula antut. Sie ist für alle da, sie hört sich alles an, sie sammelt leidenschaftlich für den Flohmarkt. Mittlerweile gibt es ein Team von Leuten, von dem Paula auch einmal ein “Schluss, stopp, genug” hört. Am liebsten würde sie 36 Stunden am Tag arbeiten.
Paula: Das hat sich aber schon sehr gebessert.
Ilse: Ja, Gott sei Dank!
Ilse, welche Arbeiten erledigst du, damit es den Kneipp-Platz in seiner jetzigen Form geben kann?
Denken, arbeiten, arbeiten, nachdenken. Wenn mir die Farbkombinationen der Blumen nicht passen, grabe ich sie wieder um. Am Ende soll sich alles harmonisch zusammenfügen zu einem Ort, an dem sich Leute wohlfühlen.
Du hast mittlerweile Unterstützung von den Asylwerbern im Ort. Auch die scheinen sehr gerne hier Zeit zu verbringen.
Ilse: Ich habe das Gefühl, dass die Flüchtlinge sehr gerne herkommen. Sie sind schon ein Teil des Kneipp-Parks. Keiner ist in den Platz so integriert, wie sie.
Paula: Hier haben sie Gemeinschaft und jemanden zum Reden.
Ilse: Für die ist das selbstverständlich, dass sie ihre Arbeit mit Liebe machen. Das spürt man. Da kommt viel wieder zurück. Ich bin stolz, dass das so klappt.
Was ist eure Motivation, euch bei euren Projekten ehrenamtlich zu engagieren?
Ilse: Vom Bürgermeister ging vor einigen Jahren der Wunsch aus, mehr für die Gesundheit im Ort anzubieten. Ich habe damals gesagt, dass für mich nur dieser Platz hier an der Steyr als Kneipp-Platz infrage kommt. Nach einigen Gesprächen mit dem Eigentümer bekam ich dann das „Okay“. So habe ich angefangen. Und ich mache keine halben Sachen. Fertig.
Paula: Ich habe meine Arbeit durch Krankheit verloren. In Hinterstoder habe ich mich dann aber gesundheitlich wieder erholt. Ich fand, ich war noch zu jung zum Nichtstun. Heute motiviert mich die Freude der Leute, die ich besuche. Immer wieder höre ich ein “Du könntest ruhig öfter vorbeischauen“. Das gibt Kraft um weiterzumachen, solange man kann. Ich halte es einfach für richtig.
Ilse: Wenn ich hier das Gästebuch ansehe, dann finde ich es berührend, wie wohl sich die Leute hier fühlen. Dann denke ich mir, ich mache doch etwas richtig. Denn gerade in unserer schnelllebigen Zeit gibt es wenig, das uns herunterholt. Manche hasten auch hier am Kneipp-Platz vorbei. Aber dann beobachte ich wieder Leute, die stehen bleiben, sich Zeit nehmen, schauen. Gerade Familien mit Kindern nehmen den Platz sehr gut an.
Wie schafft ihr es, euch nicht zu sehr von euren Projekten vereinnahmen zu lassen?
Paula: Mittlerweile suche ich mir beim  Flohmarkt Helfer, mit denen ich gemeinsam sortiere. Dann habe ich auch nicht alleine die Schuld, wenn ich zuviel aufhebe (lacht). Seit einiger Zeit gebe ich mehr Arbeit ab, stimmt’s?
Ilse: Naja... du versuchst es!
Paula: Ja, ich versuche es. Aber das hier ist mein Heimatort, und wenn man etwas tun kann, warum nicht? Außerdem wird so viel weggeschmissen, es ist doch schade darum.
Ilse: Und du brauchst das. Du bist einfach Flohmarkt. Aber du wirst in nächster Zeit lernen, auch einmal auf Urlaub zu fahren.
Paula nickt einsichtig.
Ilse, wie geht es dir mit dem Nein-Sagen?
Ilse: (ihre Hände machen eine auslandende Bewegung) Wie soll ich zu dem hier Nein sagen? Aber ich bin mein eigener Chef. Ich tue was ich will und wann ich will. Wenn es mich einmal nicht freut – na dann freut es mich eben einmal nicht. Ganz einfach.
Welche kleinen Gesten könnte jeder von uns zur Gewohnheit machen, um uns das Zusammenleben hier im Ort schöner zu gestalten?
Ilse: „Was trage ich dazu bei“, das ist mein Leitsatz. Ich bin sehr kritisch mit Menschen, die nur dann helfen, wenn sie auch dabei gesehen werden. Wenn jemand einen Ast wegzwickt, der in einen Wanderweg hineinragt oder etwas repariert, das kaputt gegangen ist – das wäre es. Mehr brauchen wir nicht.
Paula: Es sind in den letzten Jahren viele Angebote im Ort dazugekommen. Zwei Gemeindearbeiter allein können das einfach nicht mehr alles in Schuss halten. Wenn jeder ein bisschen etwas beitragen würde, wäre es leichter.
Was macht ihr heute noch, wenn ihr heimgeht?
Paula: Ich muss noch Kleidung für den Flohmarkt sortieren und ein Paar Schuhe bei den Asylwerbern abliefern. Aber ich kann mir eigentlich alles einteilen.
Ilse: Nichts mehr. Jetzt gehe ich heim und mache es mir gemütlich. Vielleicht gieße ich noch den Garten. Es sei denn, mein Mann hat das schon gemacht.
Vielen Dank für das Gespräch.


Paula Lang (links) und Ilse Fruhmann (recht) engagieren sich
 für ein gesundes und soziales Hinterstoder.
Kneippanlage


Flohmarkt in der Hösshalle
Kräuterschulung in der Kneippanlage
Kneippanlage
Fleißige Asylwerber aus Afghanistan helfen bei der Arbeit.
Razia Sharifi und Fatima Haidari 

Freiwillige Helfer in der Not

So, 02/26/2017 - 17:08
Julia Körber von der Gemeinde Hinterstoder berichtet über freiwillige Helfer in der Not





Vom Schicksal des kleinen Michl

Fr, 02/24/2017 - 12:06
Es war im Stodertal vor rund 100 Jahren. Heute noch kennen manche alten Leute diese Geschichte.
Beim großen "Grabenbauer" (Name geändert) arbeitete neben anderen Knechten und Mägden auch eine junge, geistig etwas zurückgebliebene "Dirn" (Magd). Sie nannten sie die "Grabenbauer Lies" (Name geändert). Sie hatte einen Buckl (gekrümmtes Rückgrat), trug immer nur geschenkte, alte viel zu große Kleider. Die Lies  hatte bestimmt keine erbliche Geistesschwäche. Vielmehr lag es an der Erziehung und der mieserablen Ernährung  von Klein auf. Sie wurde schon als kleines Kind von Bauern ausgeschunden und bekam nie ein kindgerechtes Essen und Pflege.Heute kann man sich kaum mehr vorstellen wie manche Kinder auf Bauernhöfen behandelt wurden. Der "Zuzl" (Schnuller) wurde in Schnaps und Zucker getaucht und den Kleinkindern in den Mund gesteckt, so dass sie ruhig waren und lange schliefen. Damit sie nichts anstellen konnten und die Eltern Ruhe bei der Arbeit hatten wurden sie oft in einen großen, alten Bottich gesetzt aus dem sie nicht alleine herausklettern konnten. Gelegentlich bekamen sie etwas zu essen und zu trinken. Oft mussten sie den ganzen Tag in so einem "Gefängnis" ausharren.Die Lies hatte schon mehrere uneheliche Kinder. Manche Knechte und Burschen nahmen sie einfach, weil sie sich nicht wehren konnte und sie gerade ein Bedürfnis verspürten. Ihre Kinder kamen alle verstreut zu verschiedenen Bauern. Sie wusste nicht einmal wo ihre Kinder hingekommen sind. Man könnte fast sagen, dass das wie bei einer Katze war, der man die Jungen weggenommen hat. Wenn kein Vater bekannt war zahlte die Gemeinde 10 Schilling Alimente im Monat. Wer die Väter der Kinder waren wurde früher nie eruiert. Die Kinder, von denen der Vater unbekannt war, fielen der Heimatgemeinde zur Last.Im Dorf wurde hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, dass auch ein Kind vom Bauern selbst dabei war und zwar der "Michl" (Name geändert). Michael wurde er genannt weil er zu Michaeli geboren wurde.Eines Morgens hat sich beim Grabenbauer folgendes zugetragen. Die Schweinemagd hat in der Früh wie immer den Schweinestall gereinigt. Dazu musste sie auch frisches Stroh holen. Sie hörte unter dem Stroh ein Wimmern und glaubte zunächst eine Katze hätte Junge geworfen. An diesem Tag war es ziemlich kalt und deshalb wollte sie die jungen Kätzchen in den warmen Stall bringen. Unter einem Strohballen fand sie statt der jungen Kätzchen ein neugeborenes Kind mit einer abgerissenen Nabelschnur. Sie holte sofort die Bäuerin, die gleich sagte: "das kann nur die Lies gewesen sein". Niemand hatte die Schwangerschaft bei der Lies bemerkt, denn sie trug immer nur alte, viel zu große Kleider. Die Bäuerin und die Magd suchten sofort nach der Lies. Sie fanden sie draußen auf dem Erdäpfelacker (Kartoffelacker) bei der Arbeit. Auf dem Acker fanden sie auch Blutspuren, wo die Nachgeburt abging. Die Bäuerin nahm die Lies sofort mit und legte sie in das Bett. Kindswäsche hatte man nicht und so wickelte man das Kind in alte Hemden und legte es in der Stube auf einen Polster. Die Bäuerin war zwar nicht erfreut über das Kind, doch sie hatte Erbarmen mit dem armen "Hascherl" (hilflosem Baby).  Das Kind bekam ein "Mehlkoch", das war geröstetes Mehl  in Milch eingekocht. Das gab man früher den Kindern statt Muttermilch.
Je älter der Michl wurde, desto mehr sah er dem Bauer ähnlich. Die Lies sagte nie wer der Vater zu ihrem Kind war. Der Bauer hat ihr auch gedroht und sie geschlagen wenn sie nicht schnell genug bei der Arbeit war. Sie hatte ungeheure Angst vor ihm und sie hätte bestimmt nie etwas gesagt. Die Bäuerin aber musste etwas gewusst haben, denn sie hat den Michl großgezogen. Michael ist zu einem stattlichen, feschen Mann herangewachsen und blieb als angenommener Sohn beim Grabenbauer.





  

Erinnerungen an die Schule und meine Lehrer in den 1930er Jahren

Fr, 02/17/2017 - 11:54
Als ich 1930 eine Schülerin in der Volksschule Hinterstoder war."Besonders gerne erinnere ich mich an unsere Handarbeitslehrerin. Sie hatte keine besondere Schulbildung und auch das Handarbeiten hatte sie sich selbst erlernt. Damals musste man noch keine besonderen Prüfungen machen um Handarbeitslehrerin zu werden.Gleich im ersten Schuljahr hatten wir Handarbeiten und dabei lernten wir hauptsächlich nützliche Dinge für das tägliche Leben. Wir lernten stricken, stopfen, häkeln und machten schon in der ersten Klasse ein weißes Täschchen mit Noppenmuster für den Fronleichnamsumzug. Wir stickten das Alphabet in allen Formen und Größen mit Kreuzstichen, häkelten ein Musterband und strickten eine doppelte Ferse für Stutzen. Später lernten wir Paspelieren, Hinterstiche, Vorderstiche, Perteln, Einlassen, Anstückeln, Zwickel einsetzen, Hexenstiche und Knopflöcher nähen. Während wir nähten erzählte sie uns schöne Geschichten. Wir mussten aber fleißig arbeiten und ruhig sein. Handarbeiten hatten wir jeden Tag von 14 bis 15 Uhr.Als ich in die 2. Klasse kam bekamen wir einen neuen Lehrer. Er war schon etwas älter und hatte eine ganz tiefe Stimme. Seine Stimme gefiel mir, sie war so wie Öl, tief und weich. Er hatte einen schwarzen Schnurbart wie ein orientalischer Pascha. Sein Gesicht war braun mit dunklen Augen. Er hatte buschige Augenbrauen und ganz dunkle Haare. Wir hatten ihn nicht lange, er war auf einmal weg. Man munkelte dass er ein "warmer Bruder" gewesen sein soll. Damals wusste ich nicht was das war. Statt ihm kam ein junger schlanker Lehrer mit einer Stehfrisur. Er war sehr streng und beim Unterricht sah er genau darauf, dass jedes Kind seine Hände auf der Bank hatte. Erwischte er einmal ein Kind auch wenn es sich nur die Haare zurückstrich, kam er schon angerannt. Das Kind musste 4 Finger auf die Bank legen, den Daumen nach unten halten und dann schlug er mit der Linealkante auf die Finger bis sie ganz blau waren. Das tat so weh, dass man nicht schreiben konnte. Wenn die Stunde vorbei war, konnte man die Finger unter kaltes Wasser halten, das linderte die ärgsten Schmerzen.Die Lehrer machten auch unter den Kindern soziale Unterschiede. Das äußerte sich darin, dass einem Kind von gut situierten Eltern weniger auf die Finger geklopft wurde als Kindern von ärmeren Leuten, die oft sprachlich nicht so gewandt waren. Manche Lehrer nahmen auch Geschenke an, die nicht nur aus Blumensträußchen bestanden.Wir wurden ständig belehrt anständig zu sein, bitte und danke zu sagen und alle Leute freundlich zu grüßen.Auf den Religionsunterricht, bei unserem alten Pfarrer, habe ich mich immer sehr gefreut. Besonders berührt hat mich die Geschichte von Daniel in der Löwengrube. Wenn wir davon gelesen haben, habe ich immer aus Mitleid weinen müssen.
Im Unterricht, so gegen Mittag hatten wir immer Hunger. Äpfel und Brot gab uns Mutter in die Schule mit und oft jausneten wir im Unterricht ganz heimlich. Pech hatte man nur, wenn man aufgerufen wurde und den Mund voll hatte. Als Willi einmal unter der Bank ein Stück von seinem Speck abschnitt, war auch der Lehrer schon da und sein Messer war weg. "Gib her den Taschenveitl, schleifen darfst ihn auch wieder einmal und voller Dreck ist er auch. Was hast denn du damit geschnitten? Pfui Teifl!"









Daniel in der Löwengrube   

Veranstaltungen in Hinterstoder

Di, 02/14/2017 - 17:58
Diese Übersicht über die nächsten Veranstaltungen in Hinterstoder hat Julia Körber von der Gemeinde  zur Verfügung gestellt:





Mein Schulweg im Winter

Fr, 02/10/2017 - 11:48
Erinnerungen an die Schulzeit eines Mädchens in den 1930er Jahren:"Der lange Schulweg, manchmal durch Meter hohen Schnee, Lawinen, Wildbäche, dort wo sich Fuchs und Henne -gute Nacht- sagen, das war oft ein Abenteuer für ein Mädchen mit damals sieben Jahren. Im Winter waren die Temperaturen wochenlang unter minus 20/30 Grad Celsius. Auf den Wimpern der Schulkinder bildete sich Raureif, der manchmal bis über die Augen fiel.Wenn es Reif gab konnte man herrlich die steilen Hänge auf den Schuhen hinunter rutschen und den Weg abkürzen. Wir beherrschten das bestens und wetteiferten miteinander, wer die schönste Spur hinterließ. Es kam nicht selten vor, dass wir bis zu den Hüften im Schnee wateten. Der Erste in der Reihe, der die Spur machen musste, hatte es am anstrengendsten. Wir wechselten uns aber ab, damit nicht immer derselbe vorwaten musste. Wenn wir zur Schule kamen und bevor wir hinein gingen, drehten wir unsere Rock- und Hosensäcke um und leerten den Schnee aus. Wenn wir nach dem Unterricht wieder nach Hause gingen war der Weg oft wieder so verschneit, dass wir unsere Spuren nicht mehr erkennen konnten. Ich ging auch gerne bei Schneefall und es machte mir nichts aus durch die wirbelnden Schneeflocken zu gehen. Es war eine sonderbare Stille über dem Land. Die Flocken fielen leise  und so dicht, dass man stellenweise nichts als den Schnee unter den Füßen und die Flocken rundherum sehen konnte.Auf meinem Schulweg kam ich über eine große Wiese, da gab es eine Stelle, auf die von November bis Februar keine Sonne schien. Wenn es längere Zeit kalt war bildete sich dort ein Raureif, der von Tag zu Tag größer und schöner wurde. Auf dem Schnee waren ganz dichte, feine, glasklare Raureifblättchen. Wenn man mit der Hand über diese Blättchen streifte, dann klingelten sie wie lauter winzige Glöckchen. Wenn man über Wiesen mit dickem Raureif ging oder bei starkem Schneetreiben über Pulverschnee, dann hatte man das Gefühl man würde auf Federn gehen. Im Februar, wenn die Sonne diese Wiese erreichte, war es für uns das erste Anzeichen für den kommenden Frühling".

                                                       Winter im Stodertal







Der Frühling kündigt sich an    

Wenn die Kirchenglocken läuten

Fr, 02/03/2017 - 17:20
Erinnerungen an die 1930er Jahre als ich noch ein Schulmädchen war."Die Kirchenglocken zur Sonntagsmesse oder zu Festtagen durften nur auserwählte Buben läuten. Wer an den Glockensträngen ziehen durfte bestimmte der Herr Pfarrer. Die Buben zogen an den Seilen so fest sie nur konnten und ließen sich dann von den, durch das Gewicht der Glocken, hochschnellenden Seilen in die Luft heben. Die Klöppel in den Glocken waren jeweils mit mehrfachen Lagen von Riemen innen an einem Metallring angehängt. Durch den ständigen starken Schwung, den die Glocke beim Leuten bekam, konnte es vorkommen, dass die Befestigungsriemen brüchig wurden und ein Bronzeklöppel abriss. Von alten Leuten wurde erzählt, dass einmal so ein Klöppel durch ein Seitenfenster des Turmes auf das Schuldach flog. Dort durchschlug er die Dachschindeln und blieb auf dem Gewölbe der Decke liegen. Ein anderes Mal sauste ein Klöppel  beim gegenüberliegenden Fenster hinaus und landete im Friedhof".

Heute kann das nicht mehr passieren. In den Jahren 1996/97 wurde das Glockengeläut restauriert und mit neuen Glocken ergänzt. Die Inschrift auf einer Glocke erinnert an die Spender Kardinal Francis Spellman, Erzbischof  von New York und  US. General Mark W. Clark, wenn auch die Namen nicht ganz richtig geschrieben sind. (Siehe auch Blogbeitrag vom 9.2.2013 und 20.1.2014) 

Kardinal Francis Spellman, Erzbischof von  New York
US General Mark W. Clark





Vom "Blochtreiben" und "Holzschlitteln" der Arbeit meines Vaters im Winter, in den 1930er Jahren.

Fr, 01/27/2017 - 17:13
"Eine ganz besonders gefährliche Arbeit war das "Blochtreiben"(Holzstämme zu Tal bringen). Nur mehr wenige alte Einheimische wissen heute noch von der harten und gefährlichen Arbeit, die gemacht werden musste um die im Sommer geschlägerten Stämme im Winter von den Bergen in das Tal zu bringen. Es gab keine Seilwinden und Kräne wie heute, es gab nur Schlitten und mutige Männer, die diese gefährliche Arbeit machten. Als ich noch ein kleines Mädchen war, damals in den 1930er Jahren wusste ich, meine Mutter und meine Geschwister von der gefährlichen Arbeit, die Vater als Holzknecht im Winter jeden Tag verrichten musste. Wir hatten oft große Angst um ihn.
Die im Sommer geschlägerten Baumstämme wurden zunächst von den Holzarbeitern  zum Winterhaufen zusammen getragen und von dort im Winter mit Schlitten in das Tal gebracht.Trotz der Steigeisen, die die Holzknechte bei dieser Arbeit getragen haben, war es gefährlich auszurutschen und ein falscher Schritt konnte furchtbare Folgen haben.
Eine wichtige Voraussetzung zum "Blochtreiben" war, daß es nicht zu trocken war. Am liebsten hatten es die Holzknechte, wenn feiner, eisiger Schnee war, denn der "schmierte" gut. Über Gräben und Schluchten baute man Brücken aus Stämmen, sogenannte "Riesen", auf denen die Bloche diese unwegsamen Stellen überquerten, konnten.
Mit dem ersten Schneefall begann das "Holzschlitteln".  Auf Bockschlitten wurde das geschlägerte Holz zu Tal gebracht. Vorne auf den Kufen stand der "Ziaga" oder der "Schlittler" und ließ sich mit dem ganzen Gewicht in den Schlitten hineinfallen und lenkte die tonnenschwere Last über steile Hänge, Schneisen und Kurven. Dabei hielt er mit der ganzen Kraft seiner beiden Fäuste die Hebestangen der Bremstatzen, die beidseitig drehbar an den Kufen befestigt waren. Nicht selten bekamen die Schlitten mit ihrer tonnenschweren Last ein mörderisches Tempo, stürzten um und erdrückten ihren Lenker. Viele jungen Männer sind mit dem Holzschlitten verunglückt. Viele Bildstöcke und Marterl erinnern heute noch an diese Unfälle.Wenn sich ein Holzknecht am Berg verletzte, dauerte es oft viele Stunden bis er zu einem Arzt gebracht werden konnte. Es gab keine Wege und keine Fahrzeuge. Ein Verletzter musste auf einer Bahre, bestehend aus Holz und Zweigen stundenlang über Berge und Gräben in das Tal getragen werden. Die Kameraden konnten es oft nicht verhindern, daß er dabei starb.
Heute gehört das "Blochtreiben" und die "Holztrift"der Vergangenheit an. Kräne ziehen heute die Baumstämme aus dem Wald heraus auf die Straße. Dann werden sie maschinell entastet, entrindet und auf die gewünschte Länge zugeschnitten.
Das Geräusch des Holzhackens verband sich in meiner Kindheit harmonisch mit der Natur. Es passte in den Wald wie das Rauschen des Baches oder des Windes in den Wipfeln der Bäume. Es steht ganz im Gegensatz zu dem heutigen zornigen Kreischen der Motorsägen, das die Stille zerreißt und kilometerweit zu hören ist. Man konnte von weitem die frische Rinde riechen und wenn man ein Stück mit der Zunge auf der Innenseite berührte schmeckte sie ganz süß".



"Riese"
Bauen einer "Riese"


"Holzschlittler"



Holzknechtunterkunft im Wald

                                                                                 Waldbearbeitung heute







Auf dem Weg von Seinerzeit in die Gegenwart

Fr, 01/20/2017 - 16:54
 Erinnerung an die Jugend in den 1930er Jahren.
"Wenn ich an meine Jugend in den 1930er Jahren zurückdenke und sie mit heute vergleiche wird mir erst der große Unterschied in den Lebensumständen bewusst. Wenn ich zum "Greißler" einkaufen gegangen bin hatte der ein Warenangebot das nicht einmal 10% von dem war, das es heute in jedem kleinen Supermarkt gibt.Trotzdem ist uns, außer mehr Geld zum Einkaufen, nichts abgegangen. Wenn wir z.B. damals Butter kauften konnten wir nicht unter zehn oder mehr Arten wählen die aus verschiedenen Ländern importiert wurden. Es gab zwei Angebote. Die Butter von der Molkerei hieß "Teebutter"und es gab Bauernbutter von Bauern aus der Umgebung, die immer frisch geliefert wurde. Wir hatten aber keinen Mangel. Es gab keine Plastiktaschen, denn alles was wir einkauften wurde in Packpapier, Feinkostpapier, das damals"Schmalzpapier"hieß, für Wurst und Fleisch oder z.B. Eier, in alte Zeitungen eingepackt. Alle Flaschen waren aus Glas und wurden zurückgenommen und wieder verwertet. Die Milch bekamen wir nicht in Plastikpackungen sondern wir holten sie in der eigenen Milchkanne ab. Den Begriff Umweltschutz kannten wir zwar nicht, aber wir lebten danach und schonten unsere Umwelt. Diese vielen verschiedenen Verpackungsmaterialien, die es heute gibt und die im Altstoffsammelzentrum sorgfältig getrennt abgegeben werden müssen, gab es damals nicht.

Gedanken und Sorgen macht mir auch die ungeheure Flut an unnützen Informationen und Lügen, die täglich über Zeitungen, Radio, Fernsehen und besonders über das Internet auf uns einströmen. Heute werden wir von den Medien nicht nur informiert, sondern auch sehr stark verwirrt. "Zuwenig und zuviel ist aller Narren Ziel" sagte ein uraltes Sprichwort, an das ich mich noch gut erinnere.
Unsere sparsamen Informationen, genau das Gegenteil von heute, bezogen wir in erster Linie aus einem Radio, das mit Strom aus einem Akku betrieben wurde. Die Aufladevorrichtung für den Akku besaß ein Sägewerk in unserer Nähe. Dort durften wir unseren Akku immer 2 Tage lang aufladen ehe wir ihn wieder nach Hause tragen konnten. Das war eine recht umständliche Sache, denn die Flüssigkeit im Akku war sehr scharf. Wenn man sie auf die Kleider spritzte konnte es Löcher geben. Das hin- und hertragen, ohne auszuschütten, war nicht einfach. Besonders dann nicht wenn es sehr kalt war und uns in den Fingern fror. Natürlich wurde mit dem Einschalten des Radios sehr sparsam umgegangen um Strom zu sparen. Die Nachrichten hörten die Eltern fast immer wenn sie Zeit hatten. Mit diesem Gerät ist doch ein Stück  moderner Welt in unsere Bergeinsamkeit gekommen. Manchmal konnte man sogar einen Jugoslawischen oder Tschechischen Sender empfangen. Mein Vater hörte besonders gerne böhmische Volksmusik".

Volksempfänger
Einkauf früher
2015 Einkaufszentrum Plus City Pasching

Die Bibel für den Amtseid des US-Präsidenten

Mi, 01/18/2017 - 23:26
Den Amtseid, den alle neu gewählten US-Präsidenten zur Inauguration ablegen, wird im Weißen Haus in Washington auf einer ganz besonderen Bibel geschworen. Am 20.1.2017 legt Donald Trump den Amtseid ab. Jeder Präsident entscheidet auch welche Bibel für den Eid verwendet werden soll.
Präsident Barak Obama legte den Amtseid auf die Bibel von Abraham Lincoln ab. Lincolns Präsidentschaft gilt als eine der bedeutendsten in der Geschichte der Vereinigten Staaten. 
John F. Kennedy legte den Eid auf die Gutenberg-Bibel (benannt nach dem Erfinder des Buchdrucks Johannes Gutenberg, geb. 1400, gest. 1468) ab, die, wie auch die Bibel von Abraham Lincoln, im Besitz der Washingtoner Kongress-Bibliothek ist. 
Diese kostbare Gutenberg-Bibel, die in Mainz gedruckt wurde, war einst im Benediktinerkloster St. Blasien im Schwarzwald. Das Kloster wurde durch einen Brand zerstört und die Bibel konnte nur dadurch gerettet werden, dass man sie aus dem Fenster der brennenden Klosterbibliothek warf. 1810 kam das kostbare Buch über Umwege zu uns nach Oberösterreich in das Stift Spital am Pyhrn. Die Mönche von Spital übersiedelten aber weiter in das Benediktinerkloster nach St. Paul und deshalb kam auch die Bibel nach St. Paul im Lavanttal.Dort blieb das Buch mehr als 100 Jahre bis in den 1920er Jahren eine Sanierung des Klosters anstand und man dringend Geld dafür brauchte. 1930 wurde das kostbare Buch an die Kongressbibliothek zum Preis von 370 000 US Dollar verkauft. Heute bezeichnet die "Library of congress" die Gutenberg-Bibel als eine ihrer größten Schätze und entsprechend aufwendig wird sie im ersten Stock des Thomas-Jefferson-Buildings in Washington präsentiert. Dort sehen sie jedes Jahr rund eine Million Besucher. Noch weiß man nicht welche Bibel Donald Trump für den Amtseid wählen wird. Quelle: Wikipedia,  Badische Zeitung 17.2.2009

In der Kongressbibliothek  "Library of congress"
Die kostbare Gutenberg-Bibel


Der Kampf um das tägliche Brot

Fr, 01/13/2017 - 12:28
Ganz alte Leute aus dem Stodertal wissen es noch wie es früher in manchen Bauernhäusern zugegangen ist. Es gab viele Hungrige und der Kampf um das tägliche Überleben war hart. Aber Gott sei Dank ist vieles in Vergessenheit geraten.
Kleine Kinder und ihre ledigen Mütter, die auf sich alleine gestellt waren weil sich der Mann aus dem Staub gemacht hatte, bekamen oft die ganze Härte scheinheiliger Bauern, die jeden Sonntag zur hl. Messe gingen, zu spüren. Gegen die Zudringlichkeiten mancher Bauern und manchmal auch Knechte, konnten sie sich oft nicht wehren. Wenn aber Nachwuchs kam, damals gab es keine Verhütungsmittel, waren sie auf sich alleine gestellt. Dabei war es oft noch ein Glück, wenn so eine junge Frau mit einem ledigen Kind, von einem alten, behinderten Bauern geheiratet wurde und somit eine gesicherte Existenz hatte. Damit wurde die Magd zur Bäuerin.Wenn eine ledige Mutter einen Arbeitsplatz auf einem Bauernhof hatte, so wurde erzählt, verlangten manche Bauern, dass sich das Kind der Magd jeden Morgen vor dem Bauern niederknien und bitten musste, ob es den Tag über mit den anderen Dienstboten mitessen darf. Das zeigt schon den Stellenwert dieser Kinder. Sie wurden als Schmarotzer behandelt, die sich das Essen nicht verdienten. Sie sollten möglichst viel arbeiten, aber möglichst wenig essen und schon gar keinen Schaden anrichten. Als ein etwa eineinhalb jähriges Kind einer ledigen Magd im Ofenloch bei den jungen Hunden schlafen wollte, wurde es vom Bauern mit Fußtritten herausgejagt. Fremde Kinder, die nicht arbeiten konnten, zählten nicht.
Es gab aber auch gutherzige und freundliche Dienstgeber und jeder Knecht, jede Magd war froh wenn sie so eine Arbeitsstelle gefunden hatte.

                          Gemälde: Paula Modersohn Becker (1876 - 1907)Die deutsche Malerin Paula Modersohn Becker ist eine der bedeutendsten Vertreterinnen des frühen Expressionismus. Ihre Motive fand sie oft im bäuerlichen Leben.Der Film "Paula - Mein Leben soll ein Fest sein", über das kurze Leben von Paula Modersohn Becker, ist Ende 2016 in die Kinos gekommen.  





           




Eisstockwettkampf Vorderstoder - Hinterstoder am 11.1.2017

Mi, 01/11/2017 - 16:28





Der freundschaftliche Wettkampf endete damit, daß die Mannschaft aus Hinterstoder das Mittagessen bezahlen mußte und Vorderstoder die Getränke.
Die Bilder hat Julia Körber von der Gemeinde Hinterstoder zur Verfügung gestellt

Erinnerungen an die Moarbichlerin aus Windischgarsten.

Fr, 01/06/2017 - 11:20
Die "Moarbichler" aus Windischgarsten waren seit vielen Generationen als Beineinrichter und Naturheiler im südlichen Oberösterreich und im Norden der Steiermark bekannt. Ihr Wissen wurde stets an Nachkommen oder Verwandte weitergegeben. Bis Ende des 2. Weltkriegs war Ottilie Schöngruber aus der Moarbichlerfamilie eine viel konsultierte Naturheilerin und danach wirkte Zäzilia Helml als ihre Nachfolgerin . Sie starb 1984 mit 86 Jahren im Altersheim Ried im Innkreis.               (Rudolf Kusche - "Leutgeschichten")
Erinnerungen einer Schülerin an die Jugendzeit in den 1930er Jahren:"Einmal hat sich meine Schwester beim Schlittenfahren  drei mal den Arm gebrochen. Es konnte uns nicht schnell genug gehen und so gab ihr die Peperl vom Nachbar noch einen Schubs, daß sie wie ein Blitz den Berg hinuntersauste. Die Folge war ein riesiger Sturz. Sie hat geschrien wie am Spieß. Ihr stürzten die Tränen wie ein Sturzbach aus den Augen.Mutter hat meine Schwester in eine Decke gepackt, sie mit Stricken am Schlitten befestigt und wir sind mit ihr 3 Stunden zur Moarbichlerin nach Windischgarsten gefahren. Dort wurde ihr der Arm wieder eingerenkt. Meine Schwester brüllte und weinte herzergreifend.Die Moarbichlerin war Heilpraktikerin und hatte einen großen Zuspruch von Leuten aus Nah und Fern. Besonders nach dem Kirchgang am Sonntag war ihre Stube voll. Der Medizinkasten war ihr Schatzkasterl. Die Medizin wurde in kleinen Fläschchen verabreicht. Sie bestand aus Kräuteressenzen, auch aus der Apotheke war etwas dabei. Z.B. Hoffmannstropfen, Melissengeist, Baldrian, Wermutstropfen, gestoßene Enzian- und Chinawurzeln. Diese Kräuteressenzen ergänzte sie mit verschiedenen Kräutertees, mit Honig und kalt gepresstem Himbeersaft. Sie machte für jede Flasche eine besondere Zusammenstellung nach ihrer Diagnose. Die Diagnose erstellte sie aus dem Morgenurin. Die mitgebrachte Urinflasche mußte 15 - 20 Minuten an einem warmen Ort stehen. Ich sah wie die Moarbichlerin die Flasche gegen das Tageslicht hielt. Es durfte kein künstliches Licht sein. Sie schüttelte die Flasche und erstellte dann die Diagnose. Ihre Medizin half fast immer. Auf keinen Fall hat sie jemals geschadet. Die Moarbichlerin bekam fast nie Geld für ihre Arbeit. Ihr reichte ein "Vergelts Gott" oder sie bekam Naturalien. Wenn es hoch herging bekam sie ein Schweinderl, eine Fuhre Heu oder etwas Schmalz und Butter. Selten bekam sie Geld. Meistens wurde ihr etwas versprochen, aber sie bekam es nie. Wenn es eine arme Bauernmagd war, was konnte die ihr schon geben.
Die Moarbichlerin sammelte alle ihre Kräuter selbst. Die Kräuter und Wurzeln wurden auf ihrem Dachboden getrocknet. Es duftete immer nach Schafgarbe,  Huflattich, Kamille, Hollunderblüten und Kümmel. 
Ottilie Schöngruber ( geb. 1881, gest. 1945)
Zäzilia Helml (geb. 1898, gest. 1984)


Lausbubenstreiche

Fr, 12/30/2016 - 11:28
Erinnerungen einer Schülerin an die Schulzeit vor rund 100 Jahren:"Unser alter Pfarrer war ein gütiger Mann, trotzdem gelang es manchen Buben ihn zur Weißglut zu bringen. Einmal mußte der Gustl als Ministrant einspringen und unserem Pfarrer bei der Sonntagsmesse dienen. Nach der Messe, in der Sakristei, drehte sich der Pfarrer um und gab dem Gustl links und rechts eine Ohrfeige. Er hatte nämlich in den Weihrauchkessel, den er schwenkte, aus reinem Interesse, versuchsweise ein paar Stückchen Radiergummi dazu gegeben. Der Geruch, der dem Weihrauchkessel entströmte, passte wirklich nicht zur feierlichen Sonntagsmesse empfand der gütige alte Herr Pfarrer.In unserer Schulzeit unterrichtete auch einige Zeit ein hartherziger, jähzorniger Lehrer. Seiner Meinung nach waren manche Schüler Trottel und Idioten. Ein paar Buben in den letzten Klassen waren wirklich die reinsten "Rotzlöffel". Einige Buben rauchten heimlich und das war für den Lehrer ein ganz furchtbares "Verbrechen". Wenn sie erwischt wurden schlug ihnen der Lehrer mit dem Rohrstaberl auf die Finger. Dabei sagte er: "Brennts schon? Brennt die Zigarette schon?" Mancher krümmte sich vor Schmerzen wie ein Wurm, wenn er ihn am Haaransatz über dem Ohr  hochzog.

Im Winter bei einem Schikurs haben sich die Buben an ihm gerächt. Wir waren in einer Schihütte untergebracht wo auch Ausflügler zu Gast waren. Der Lehrer hatte ein Einzelzimmer. An einem Abend montierten die Buben von der Aborttüre den Pappendeckel mit "OO" (WC) ab und befestigten das Schild mit 2 Reißnägel an seiner Zimmertür, die man nicht abschließen konnte. Am nächsten morgen war er ganz verstört, weil in der Nacht Leute in sein Zimmer stürzten, die Hose herunter rissen und er sie nur mit Mühe daran hindern konnte, die Notdurft in seinem Bett zu verrichten.In der Schule strichen diese "Musterschüler" aus der oberen Klasse einmal Senf auf den Kathederstuhl des Lehrers. Als er sich darauf setzte schrie ein Schüler laut, dass dem Herrn Lehrer etwas passiert sei. Der griff sich sofort an sein Hinterteil und spürte die gelbbraune Masse auf seinen Fingern. Er rannte sofort hinaus und kam bald wie ein wild gewordener Stier zurück. Die ganze Klasse musste Unmengen  von Strafaufsätzen schreiben, nachsitzen und die vermutlichen Sünder mussten auf der letzten Bank, der "Eselsbank", sitzen. Da die Schule gleich neben dem Friedhof war gab es noch eine Steigerung der Strafe. Der böse Bub wurde eine Stunde in die Totenkammer, dort wo die Aufbahrungen statt fanden, eingesperrt. Manchen machte das wenig aus.
Mit ihrer Schleuder schossen sie "Apfelputze" (das Kerngehäuse der Äpfel) auf den Lehrer".





Gesundheit, Glück und Zufriedenheit 2017 wünschen wir allen Freunden des Stodertales

Do, 12/29/2016 - 11:46

Ein großes und kleine Glücksschweinchen für 2017

Erinnerungen an das Schifahren in den 1930er Jahren.

Fr, 12/23/2016 - 11:33
Eine damalige Schülerin erinnert sich an diese Zeit zurück."Unsere Schier waren lange Eichenbretter. Die Lauffläche war das blanke Holz und befestigt wurden diese Bretter mit einer Riemenbindung an den Schuhen. Wir Kinder fuhren überall hinunter. Wenn es einen Hohlweg hinunter ging konnten wir keine Schwünge machen und mit der Bindung aus Riemen und den glatten Holzflächen ohne Stahlkanten ging das nicht so leicht. Wenn es zu schnell wurde gab es nur eine Möglichkeit. Wir bremsten mit den Stecken, die wir zwischen die Beine nahmen.Wenn der Schnee feucht war, klebte er auf dem blanken Holz und bildete einen dicken Belag.Wir haben die Schi mit Kerzenwachs und Parafin eingewachselt.Anfangs benützte ich meine Schier nicht als Sportgerät sondern als Fortbewegungsmittel. Meine Fahrweise war dementsprechend. Damals wußten wir noch nichts von Pisten, Stahlkanten und Sicherheitsbindung. Alles was wir wußten war, daß das Schifahren eine einzige Freude und der Schnee ein wunderbares Geschenk des Himmels war. Mein älterer Bruder lernte mir den Telemarkschwung und den Christianschwung. Vom Gegenschulterschwung und Fersenschub hörte ich erst später in Schikursen. Bei meiner Schwester sind alle Bemühungen, ihr Schifahren zu lernen, fehl geschlagen. Ein einziges Mal schaffte sie es bei einem Bruder mitzufahren. Sie stellte sich auf seine Schi und hielt sich bei ihm fest. Diese Fahrt endete nach einem kurzen Stück mit einem Fiasko. Sehr zum Vergnügen von uns Zuschauern.Manchmal lösten sich die Schier mit der einfachen Riemenbindung von den Füßen und machten sich selbstständig. Wir mußten sie dann unten am Abhang in den Schneewehen zwischen den Bäumen suchen.Für die Schüler wurde von der Volkschule Hinterstoder auch ein Abfahrtslauf ausgetragen.Zum Start vom "Sturm" weg hatten sich 14 Teilnehmer gemeldet. Ich war mit 10 Jahren die Jüngste und auch die Dünnste von allen. Nach einem zähen Aufstieg, bei dem uns der scharfe Wind die Eisnadeln in das Gesicht warf, erreichten wir den Start.Ich stand ganz links in der Reihe und rechts von mir stand der Toni. Wir mußten alle auf ein Signal hin gleichzeitig losfahren und wer als erster das Ziel erreichte, hatte gewonnen. Ich war voller Angst und Startfieber. Dann ging es los und wir starteten. Wer wird als erster unten sein? Der Anführer schrie "aufpassen!" Ziel war die Wiese beim alten Feuerwehrdepot. 1-2-3-los. Alle 14 zischten wir durch den flockigen Pulverschnee in den Steilhang hinein. Der Wind warf mir eine Schaufel Schneeflocken in das Gesicht. Ich sah nichts als Schnee und hörte nur die Stimme von Willi: "Lass es laufen, lass es rauschen..." Dann lag er schon in einem Schneeloch und ich habe ihn erst am Nachmittag bei der Preisverleihung wieder gesehen.
Gewonnen hatte den für die damaligen Verhältnisse schweren Abfahrtslauf der Ludwig. 2. wurde der bärenstarke Toni und 3. wurde trotz aller Angst ich".



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BERGFEX: Schneebericht Hinterstoder - Höss: Schneehöhe Hinterstoder - Höss - Schneehöhen - Schneewerte

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